Ukraine-Hilfe jetzt!

Die Herausforderungen, vor denen Europa jetzt steht, sind enorm. Auch die Zivilgesellschaft ist gefordert. Und selbst Vereine, die normalerweise keine internationale Hilfe leisten, dürfen das jetzt tun. Auch Fördermittel können beantragt werden. Aber es gibt auch schon Probleme.

Lange hat es gedauert, aber nun hat das Bundefinanzministerium den Weg frei gemacht, dass jeder Verein, jede Stiftung und jeder Verband, der gemeinnützig ist, für die Ukrainehilfe Geld sammeln und es an Hilfsorganisationen weitergeben kann. Egal, ob im Inland oder Ausland. Hintergrund ist, dass seit 2020 zwar Organisationen verfügbare Mittel an andere Vereine, die auch gemeinnützig sind, weitergeben dürfen, aber Spendensammlungen für andere Zwecke als in der Satzung festgelegt sind nicht möglich. Das ist durch den sogenannten Katastrophenerlass, wie auch schon beim Hochwasser in Deutschland, nun aufgehoben. Jeder Verein kann Spenden für die Ukraine-Hilfe auf einem Sonderkonto sammeln und an Organisationen der Ukrainehilfe weitergeben.

Fördermittelangebote

Als eine der ersten Organisationen hat die Aktion Mensch ein Förderprogramm im Umfang von 20 Millionen Euro aufgelegt. Freie gemeinnützige Organisationen können einen Antrag stellen, um zum Beispiel psychosoziale Betreuung traumatisierter Menschen zu organisieren oder den Aufbau von Beratungsangeboten und Sprachkursen. Auch Wohnungspatenschaften sind förderbar. Natürlich sind auch Menschen mit Behinderung im Fokus. Aber auch für die Koordinierung von Ehrenamtlichen und deren Qualifizierung kann Geld beantragt werden. Anträge können bis 31. Dezember 2022 gestellt werden. Das Projekt ist im Jahr 2023 zu realisieren.

Fördermittelübersicht

Der Bundesverband deutscher Stiftungen hat die Hilfsangebote seiner Mitglieder auf seiner Website konzentriert. Hier bieten Stiftungen konkrete Hilfe in vielen Bereichen an. So versucht die Ernst von Siemens Kunststiftung ukrainischen und russischen Wissenschaftlern, die flüchten mussten, mit zwei Millionen Euro zu unterstützen. Ein ähnliches Programm in derselben Höhe hat die Gerda Henkel Stiftung aufgelegt. Eine gut strukturierte Übersicht über Beantragungsmöglichkeiten bietet der Förderlotse auf seiner Website an.

Gemeinsam für die Ukraine

Die Alliance4Ukraine ist ein koordinierendes Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und Stiftungen, die gemeinsam die Folgen des Krieges abmildern wollen. Das Bündnis wird auch von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, der Bertelsmann Stiftung, der Hertie-Stiftung und der BMW Stiftung unterstützt. Interessierte Stiftungen und Organisationen, die bei dem Bündnis mitmachen wollen, können sich auf der Website eintragen. Über eine Million Euro wurde bereits an den Spendenfond dieser Initiative gespendet. Organisationen, die Mittel beantragen wollen, können das tun, wenn sie im Inland oder im Ausland helfen. Die maximale Summe liegt bei 50.000 Euro.

Auch Firmen unterstützen bereits. So spendete die Allianz zehn Millionen Euro an das Deutsche Rote Kreuz. Auch die UNO-Flüchtlingshilfe war bereits Empfänger von mehreren Millionenspenden. Deshalb kann sie jetzt auch Organisationen bei der Finanzierung unterstützen. Bis zu 20.000 Euro können dort beantragt werden. Für andere Organisationen offen ist auch der Amazon Community Fund. Auch hier sind bis zu 50.000 Euro als Förderung möglich.

Spendenaktionen starten

Viele Organisationen haben bereits Spendensammlungen gestartet. Ein schönes Beispiel für Kooperation ist die Aktion von handmade.help, die einen Spendenmarkt für die Ukraine durchführten. Der Verein lud in die Aula des Andreas-Vesalius-Gymnasiums in Wesel ein und verkaufte dort gespendete Produkte für den guten Zweck. Schon im Vorfeld gab es viel Unterstützung. Kuchen wurde von den Landfrauen aus Obrighoven gespendet, Fruchtsäfte und Limonaden von van Nahmen, Komp und Lemonaid aus Hamburg. Der Werbering aus Büderich spendete 500 Frühlingsblumen in den Farben Blau und Gelb. Zu musikalischer Live-Untermalung von Simply aus Gelsenkirchen, Daniel Gardenier aus Essen und Rainer Migenda aus Hamminkeln konnte man sich gegen eine freiwillige Spende sogar von einem Friseurteam, das extra angereist war, die Haare schneiden lassen. Zum Verkauf standen an diesem Tag vielfältige handgemachte Produkte verschiedener Künstlerinnen und Künstler und Menschen aus ganz Deutschland, die gern basteln. So kam der Verein am Ende auf eine Gesamteinnahme von über 10.000 Euro. Alle Spenden gingen an die Aktion Deutschland Hilft.

Professionelle Hilfe gebraucht

Wie schon beim Hochwasser zeigt sich die große Spendenbereitschaft, die aber auch schnell überfordern kann. So haben bereits Menschen Wohnraum zur Verfügung gestellt. Der Deutsche Caritasverband bittet hier vorher genau nachzudenken, denn Helfende sollten sich darüber im Klaren sein, dass nicht nur neue Mitbewohner einziehen, sondern traumatisierte Menschen. „Wir erleben bereits jetzt, dass sich Menschen, die Geflüchtete aus der Ukraine bei sich aufgenommen haben, überfordert fühlen. Damit ist dann niemandem geholfen. Um solche Situationen zu vermeiden, sollten aufnahmewillige Hilfsbereite erst einmal innehalten und sich fragen, ob und wie lange sie die räumliche Nähe und emotionale Belastung aushalten können“, so Irene Porsch, Flüchtlingsbeauftragte der Caritas im Erzbistum Köln. „Wer zu dem Schluss kommt, das kann oder möchte ich nicht leisten, hat viele andere Möglichkeiten, sich in Projekten der Flüchtlingshilfe und der Willkommenskultur zu engagieren – auch mittel- und langfristig.“

Bildquellen

  • Handmade Help für Ukraine: PR

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