Die Menschen sind mir wichtig!

Stephanie Heinze ist für viele Menschen ein Phänomen. Sieben Jahre leitete sie die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung, obwohl sie seit dem 39. Lebensjahr mit Parkinson lebt. Nun hat sie die Führung der Stiftung an Janin Hein übergeben. Ein Porträt von Ingrid Alken.

Stifter sind Visionäre. Sie wollen etwas verändern und dafür geben sie Zeit, Geld und Ideen. So auch Hermann Terweiden, der vor 25 Jahren die Hilde-Ulrichs Stiftung für Parkinsonforschung gründete. Er war seiner Zeit voraus. Von Anfang an setzte er auf nichtmedikamentöse Behandlungen bei Parkinson-Erkrankungen. Und er wusste sehr genau warum. Aufklären, Mut machen, Forschung unterstützen, alternative Wege suchen. Das war und ist Zweck der Hilde-Ulrichs-Stiftung (HUS). Mit dem Ehrenpreis der Stiftung wurde in diesem Jahr die ehemalige Vorstandsvorsitzende und heutige Botschafterin der Stiftung Stephanie Heinze geehrt.

Diagnose Morbus Parkinson

Stephanie Heinze ist für mich ein Phänomen! Aber lassen sie mich das etwas ausführen. Stephanie Heinze ist eine lebensfrohe und sehr reiselustige Frau. Schon früh zog es sie in ferne Länder. Dort lernte sie auch ihren Mann Dr. Thomas Heinze kennen und lieben. Mit 39 Jahren dann der Schock. Das war 2008. Das krempelte ihr Leben um. Aus Wanderreisen wurden nun Ayurveda-Kuren in Sri Lanka. Hilfreich, aber nicht heilend. Stephanie fügt sich in das Unabänderliche, informiert sich umfassend über die Krankheit, gibt nicht auf. Sie nimmt die Herausforderung an, mit Parkinson zu leben. Und schon ist sie wieder da, die alte Stephanie: Aufgeschlossen, zielstrebig, zupackend, optimistisch. Ihr Glas ist immer halb voll.

In einer Selbsthilfegruppe stieß sie, wie sie dem ngo-dialog und dem Fundraising Magazin 2020 berichtete, auf den Stifter Hermann Terweiden. Der engagierte sie zunächst als Stiftungsbeauftragte, dann als Geschäftsführerin und schließlich als Vorstandsvorsitzende. Der eine wartet, bis die Welt sich wandelt, die andere packt sie an und handelt. Stephanie handelt. Um erfolgreich an der richtigen Stelle anzupacken, machte sie eine Fortbildung zur Stiftungsmanagerin an der Fundraising Akademie. Aus Steinen, über die sie stolpern könnte, baut sie neue Wege.

Bei unserer ersten persönlichen Begegnung war nicht nur ich überwältigt von ihrer Ausstrahlung, ihrer Energie und ihrer Kreativität. Kaum vorstellbar, dass sie an Parkinson leidet. Im Gegenteil! Was für eine Powerfrau! Nach abgeschlossener Ausbildung startet Stephanie so richtig durch und krempelt die HUS grundlegend um.

Kommunikation gehört dazu

In Ihrer Amtszeit werden wegweisende Projekte und Studien auf den Weg gebracht, die Website zu einem umfassenden Informationsportal aufgebaut. Sie verschafft der HUS eine neue Struktur, eine neue Corporate Identity und nutzt alle Kanäle: Interviews in Printmedien, TV und Rundfunk, Podcasts, Social-Media-Plattformen. Sie organisiert Benefiz-Aktionen. Als Kommunikationsexpertin und Netzwerkerin weiß sie, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist. Sie macht die HUS bekannt. Professionell und zielorientiert. Dabei ist ihr Fokus immer auf die Stiftung gerichtet, auf die Menschen dahinter und das Anliegen, das sie verbindet.

Als ich Stephanie kennenlernte, wurde für mich die Diskrepanz zwischen ihrer Energie, ihrem Tempo und den drei Schnecken im Logo der Stiftung deutlich. Kriechtiere kommen bekanntlich nur langsam voran. Heute ist klar: Stephanie Heinze hat die Hilde-Ulrichs-Stiftungs-Schnecken in Bewegung gebracht. Aus den drei Schnecken wurde: aktives Leben mit Parkinson.

Fundraising mit Herz

Auch das Fundraising wurde ausgebaut. Stephanies größte Stärke ist, dass ihr die Menschen am Herzen liegen. Ihre Arbeit ist selbstlos, den Menschen immer freundlich zugewandt. Dabei ist sie hochansteckend in ihrer Lebenseinstellung. Es fällt ihr leicht, Menschen direkt anzusprechen und um Unterstützung zu bitten. Wenn wir schon kein Geld haben, brauchen wir zumindest gute Ideen, ist ihr Motto. Durch viele kreative Benefizprojekte und Aktionen steigen die Spendeneinnahmen um das Drei- bis Fünffache. Sie gibt der Stiftung ein Gesicht und vor allem ein Herz.

Dabei ist das nicht selbstverständlich, denn mit Parkinson gibt es auch die schlechten Tage. Rückschläge. Zeiten, in denen der Körper streikt. Tage, an denen alles zu viel wird, an denen man aufgeben möchte. Manchmal ist es ihr physisch nicht möglich, geradeaus zu gehen – im Kopf geht sie immer voran. So auch 2018, als sie auf Pilgerreise geht und 560 km in 28 Tagen geht und auf diesem Weg auch noch 20.000 Euro für die Stiftung sammelt. Eine besondere Hilfe war ihr immer ihr Mann Dr. Thomas Heinze, der ebenfalls meinen ganzen Respekt verdient.

Stiftung in guten Händen

Wer Stephanie kennt, weiß: Sie begibt sich immer ganz hinein in eine Freundschaft. „Die Menschen sind mir wichtig. Sie haben mir immer viel gegeben“, sagt sie. Aber das heißt auch, Abschied von lieb gewordenen Menschen nehmen. Gerade steht ihr wieder ein solcher Abschied bevor. Das ist sehr schwer. An solchen Tagen geht es Stephanie nicht gut, psychisch und physisch. „Je mehr du das Herz öffnest, desto mehr schmerzen Verluste“, sagte sie mir neulich.

Nun hat Stephanie den Staffelstab weitergegeben an Janin Hein. Sie weiß die Stiftung in guten Händen, und das ist ihr sehr wichtig. Aber sie ist nicht ganz aus dem Rennen, bleibt der HUS als Botschafterin für Projekte verbunden. Das ist gut. Man soll ein eng geknüpftes Band nicht abrupt zertrennen. Ich wünsche ihr weiterhin die Wertschätzung, die sie und ihre Arbeit verdient. Der Ehrenpreis der Hilde-Ulrichs-Stiftung ist da nur angemessen. Danke, Stephanie!

Bildquellen

  • Stephanie Heinze: privat

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