Solidarität steigt weltweit in der Krise

Schaut man sich den World Giving Index 2022 an, so ist positiv für das Vorjahr festzuhalten: Mehr Menschen spendeten in unsicheren Zeiten. Der Bericht verdeutlicht aber auch, dass sich die Struktur der Geber ändert. Die großen Industrienationen sind nicht mehr führend.

Die Charities-Aid-Foundation (CAF) erstellt ihren World Giving Index seit mehr als einem Jahrzehnt. Er basiert auf Daten aus Gallups World View World Poll15, einem laufenden Forschungsprojekt, das in mehr als 100 Ländern durchgeführt wird. Es repräsentiert mehr als 90 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung. Der erste CAF World Giving Index wurde im Zuge der globalen Finanzkrise veröffentlicht. Dank dieser Langzeitbeobachtung sind nun auch Untersuchungen möglich, wie sich die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen auf das Spenden auf der ganzen Welt ausgewirkt haben. Die Studie untersucht dabei drei Aspekte des Spendenverhaltens: Hilfe für Fremde, Geldspenden und ehrenamtliches Engagement.

Pandemie erhöht Solidarität

Eins der wichtigsten Ergebnisse ist, dass die Pandemie die Landschaft des globalen Spendenverhaltens verändert. 2018 wurden sieben der zehn großzügigsten Länder von den Vereinten Nationen als Länder mit hohem Wohlstand eingestuft. Im Jahr 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie, waren jedoch sieben der Top 10 im Spendenindex Volkswirtschaften mit niedrigem und mittlerem Wohlstand. Dieser Trend setzte sich im Jahr 2021 fort. Nur vier der diesjährigen Top 10 der großzügigsten Länder werden als Länder mit hohem Wohlstand eingestuft, und sechs sind Länder mit niedrigem und mittlerem Wohlstand.

wgi-Top-10-Platzierung
wgi-Top-10-Platzierung

Ganz vorn ist weiterhin Indonesien, wo 84 Prozent der Menschen angaben, zu spenden und 63 Prozent ehrenamtlich tätig zu sein. Zusätzlich halfen mehr als die Hälfte der Indonesier nach eigenem Befinden Fremden. Das Spendenthema ist hier durch das Zakat geprägt, einer religiösen Pflichtabgabe für Vermögende. Auf Platz zwei folgt Kenia und erst auf Platz drei die USA mit 61 Prozent der Bevölkerung, die angaben, zu spenden und 80 Prozent, die ehrenamtlich tätig waren.

Einziges europäisches Land unter den Top 10 ist die Ukraine. „Der diesjährige Bericht zeigt: Mehr Menschen haben im Jahr 2021 Geld für wohltätige Zwecke gespendet als in jedem Jahr des vorangegangenen Jahrzehnts, trotz einer globalen Pandemie und der wirtschaftlichen Not vieler Gemeinden weltweit. Der Anstieg des Anteils von Menschen, die einem Fremden geholfen haben, war bemerkenswert, ebenso wie die Welle der Großzügigkeit in mehreren mittel- und südamerikanischen und afrikanischen Ländern. Ganz am Ende der Skala befindet sich weiterhin einer der G7- Staaten: Japan. Sogar Afghanistan rangiert noch davor. Nur Kambodscha liegt noch weiter abgeschlagen.

Deutschland steigt weiter ab

Der Anteil der Menschen weltweit, die angaben, Hilfe für Fremde zu leisten, stieg auf durchschnittlich 62 Prozent pro Land. Auch die Spenden verzeichneten mit durchschnittlich 35 Prozent einen hohen Stand. Das Ehrenamt lag mit 23 Prozent im Schnitt auch auf einem Höchststand. Und Deutschland? Liegt eher im Mittelfeld auf Platz 55 und in der Liste der Top-10-Loser auf Platz 10 mit vier Prozent weniger im World-Giving-Index als 2020. Einem Fremden zu helfen gaben 54 Prozent der Deutschen an. 28 Prozent spendeten Geld, und nur 20 Prozent engagierten sich ehrenamtlich. Gerade der letzte Wert lässt aufhorchen, liegt er doch deutlich unter dem Wert von 39,7 Prozent des 5. Deutschen Freiwilligensurveys 2019. Die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) hatte aber in den letzten Jahren bereits deutlich weniger Ehrenamt festgestellt. Danach waren gerade mal noch etwas über 15 Millionen Deutsche wirklich ehrenamtlich tätig. Tendenz fallend.

Spendenweltmeister Führend beim Thema Spenden sind Indonesien, Myanmar und die Niederländer auf Platz drei mit 68 Prozent, die angaben, 2021 gespendet zu haben. Damit sind unsere Nachbarn die Spendeneuropameister vor Island und Großbritannien, die dahinter im weltweiten Ranking folgen. Die USA liegen auf Platz neun. Deutschland erreicht hier seine beste Platzierung auf Platz 28.

Bildquellen

  • wgi-Top-10-Platzierung: wgi
  • Word giving Index: pxhere.com

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