Stiftungen unter Druck

Stiftungen sind in Deutschland eher nicht so reich, wie angenommen. Die Masse hat nicht einmal eine Million Euro an Vermögen. Durch die aktuell schlechte Verzinsung und die hohe Inflation klingelt deshalb bei den meist ehrenamtlichen und männerdominierten Vorständen die Alarmglocke.

Eine Stiftung ist ein Vermögen, das in der Regel auf Dauer einem bestimmten – meist gemeinnützigen – Zweck gewidmet ist. Das Errichtungskapital und die Zustiftungen einer Stiftung bleiben als Grundstockvermögen in der Regel erhalten. Die Bewahrung dessen macht es möglich, dass Stiftungen ihren Zweck dauerhaft erfüllen können. Eine Stiftung verwirklicht ihren Stiftungszweck zu großen Teilen daher mit Erträgen aus dem Stiftungskapital. Hinzu kommen andere Finanzierungsformen wie Drittmittel oder Spenden.

Viele kleine Stiftungen

Nach dem Bundesverband Deutscher Stiftungen beträgt das Stiftungskapital von 12.768 deutschen Stiftungen aller Rechtsformen 110 Milliarden Euro. Da die Gesamtzahl der Stiftungen um ein Vielfaches höher ist, dürfte dieser Wert in der Gesamtheit aller Stiftungen deutlich höher liegen.

Die Mehrheit, nämlich fast zwei Drittel der rechtsfähigen Stiftungen des bürgerlichen Rechts, verfügen nur über ein Stiftungskapital von unter einer Million Euro. Nur bei rund acht Prozent beträgt es 10 Millionen Euro oder mehr. Gerade die kleinen Stiftungen trifft die aktuelle Lage am Finanzmarkt hart. Die Inflationsrate wird wohl vorerst bei über drei Prozent bleiben. Bei der aktuellen Durchschnittsverzinsung von knapp über zwei Prozent droht ein Realvermögensverlust bei der Masse der Stiftungen.

Hamburg hat die meisten vermögenden Stiftungen

Hamburg ist die Stadt mit den meisten sehr vermögenden Stiftungen: Fast 15 Prozent verfügen über ein Kapital von mehr als 10 Millionen Euro. In Brandenburg dagegen ist der Anteil kleiner Stiftungen mit weniger als 100.000 Euro Kapital am höchsten – er beträgt hier 37 Prozent. Brandenburg ist auch das stiftungsärmste Bundesland.

Gesamtausgaben der Stiftungen pro Jahr
Gesamtausgaben der Stiftungen

Für diese unterschiedliche Verteilung des Stiftungskapitals in Deutschland gibt es verschiedene Gründe, die teilweise weit in die Historie zurückreichen. Eine Vielzahl bedeutender Stiftungen gibt es in den ehemaligen freien Reichs- und Hansestädten mit ihrer bürgerschaftlichen Tradition und einem selbstbewussten Bürgertum, zu dessen Selbstverständnis es gehört, sich stifterisch zu engagieren. Als die ältesten Stiftungen in Deutschland gelten die Vereinigten Pfründnerhäuser Münster und die Hospitalstiftung Wemding, die im 10. Jahrhundert gegründet wurden. Neben dem gesellschaftlichen Umfeld sind für die Kraft des Stiftungswesens vor allem die ökonomischen Möglichkeiten der potenziellen Stifterinnen und Stifter entscheidend. Noch heute ist das Vermögen in Deutschland ungleich verteilt: In den östlichen Bundesländern ist es wesentlich geringer als in westlichen. Somit steht auch weniger Geld zum Stiften zur Verfügung. Deswegen setzen die Stiftungen in den östlichen Bundesländern auch verstärkt auf Fundraising und sind wesentlich operativer als fördernd aktiv.

Neun von zehn Stiftungen mit ehrenamtlich besetzten Gremien

Den Gremien und Vorständen von Stiftungen kommt also eine große Verantwortung in der nächsten Zeit zu. Interessant ist, dass in fast 90 Prozent der Stiftungen diese Gremien – unabhängig von ihrer Funktion – ausschließlich mit Ehrenamtlichen besetzt sind. Nur bei einem Prozent der Stiftungen sind die Gremienmitglieder rein hauptamtlich tätig. In den verbleibenden rund 10 Prozent der Stiftungen teilen sich Haupt- und Ehrenamtliche die Gremienarbeit.

Selbst Personen in vertretungsberechtigter Funktion wie dem Vorstand sind nur in gut fünf Prozent der Fälle hauptamtlich beschäftigt. Dieser Anteil sinkt in den Kontroll- und Beratungsgremien auf unter ein Prozent.

Männerdomäne Stiftung

Schaut man sich einmal auf der Ebene der einzelnen Stiftungsgremien das Geschlechterverhältnis seiner Mitglieder an, ergibt sich ein unausgewogenes Bild: Sowohl bei den vertretungsberechtigten als auch bei den kontrollierenden oder den beratenden Gremienmitgliedern handelt es sich bei über 70 Prozent von ihnen um Männer. Ausschließlich mit Frauen besetzte Stiftungsgremien sind mit weniger als zwei Prozent die absolute Ausnahme.

Bildquellen

  • Gesamtausgaben der Stiftungen pro Jahr: Bundesverband Deutscher Stiftungen
  • Geldsack: pixabay

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