Energiepreispauschale spenden

300 Euro erhält jeder und jede Erwerbstätige von der Bundesregierung. Einige hat der Geldsegen bereits erreicht, und sie spenden das Geld lieber. Wir haben uns dazu einige Fundraisingkampagnen angeschaut, denn im Dezember erhalten Rentner diese Summe.

Im September erhielten alle einkommensteuerpflichtigen Erwerbstätigen in Deutschland eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro ausbezahlt: die sogenannte „Energiepreispauschale“. So sieht es das Steuerentlastungsgesetz 2022 des Bundes vor. Auch wer Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb oder aus selbständiger Arbeit bezieht, erhält die Energiepreispauschale über eine Verringerung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen. Dafür wurden 300 Euro bei den Vorauszahlungen zum 10. September 2022 abgezogen. Selbst die, welche weniger als 300 Euro vorauszahlen, profitierten, weil zumindest eine Vorauszahlung wegfiel.

Spendenaufruf einiger Wohlfahrtsverbände

Dieser Geldsegen wurde allerdings nicht kritiklos gesehen. Menschen ohne Beschäftigung, Rentner und andere waren zunächst außen vor. Das nahmen sich beispielsweise die Wohlfahrtsverbände der LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis schon Mitte September zu Herzen und entwickelten eine Aktionsidee . Sie boten all denen, welche die 300 Euro nicht brauchen, an, es an Bedürftigere zu spenden. Auf der Website der Caritas Bodensee-Oberschwaben heißt es dazu: „Wählen Sie hierfür den Verband Ihres Vertrauens. Die Betroffenen empfangen ein Zeichen der Wärme: Keiner soll allein gelassen werden.“ Die Kampagne stand unter dem Motto: „Das Leben ist eine Geben und Nehmen“. Für die Werbung genutzt wurden vor allem die sozialen Medien. Die Heidelberger Wohlfahrtsverbände, die sich der Initiative anschlossen, verwendeten den Hastag #moneysharingiscaring.

Plakat das Leben ist eine Geben und Nehmen
Plakat das Leben ist eine Geben und Nehmen

Im Main-Tauberkreis schloss man sich ebenfalls an und ging an die Presse: „Wir möchten die Menschen bitten, darüber nachzudenken, ob sie nicht einen Teil oder sogar den ganzen Betrag für Menschen spenden möchten, die aktuell jeden Cent brauchen, um über die Runden zu kommen. In unserer täglichen Beratungspraxis erleben alle Mitglieder der Liga, dass sich die finanzielle Situation vieler Klientinnen und Klienten immer mehr verschärft,“ sagte Stefan Schneider, der Regionalleiter der Caritas Heilbronn-Hohenlohe ist und aktuell Vorsitzender der Liga im Main-Tauber-Kreis. Zum Ende September war das Thema dann auch in Berlin angekommen. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie appellierte recht uneigennützig für Nachbarschaftshilfe: „Geben sie es direkt an die Mitmenschen weiter, die es dringender benötigen – über eine Spende an eine soziale Einrichtung, eine Initiative oder die direkte Unterstützung der Nachbarn.“

Steuerpflicht bring Kirchen in Zugzwang

Die Energiepreispauschale ist allerdings auch steuerpflichtig. Ziel war es, bei der Auszahlung so der persönlichen Leistungsfähigkeit der Empfänger Rechnung zu tragen. Wer weniger verdient, zahlt weniger Steuern und erhält also mehr Geld aus der Energiepauschale. Das heißt aber auch, dass die Menschen, welche der Kirche angehören, auf die 300 Euro zusätzliches Einkommen auch die prozentuale Kirchensteuer zahlen. Allein die Nordkirche erwartet 5,1 Millionen an Mehreinnahmen und plant diese an diakonische Einrichtungen in ihrem Gebiet weiterzugeben. Doch nicht nur das. Der Geldsegen soll auch Projekten der Kirchgemeinden zugutekommen, die durch Spenden finanziert sind und Hilfe in der Not oder Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Es können neue sowie bereits laufende Projekte sein. Projektanträge können bei den Diakonischen Werken eingereicht werden. Bereits Ende August hatten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) dieses Vorgehen empfohlen.

Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands geht noch einen Schritt weiter und will mit dem Geld auch Strukturen stärken. So wird der erwartete Geldregen von 1,23 Millionen Euro dem Programm „Hilfe vor Ort“ der Diakonie Mitteldeutschland zugutekommen. Das umfasst neben Maßnahmen zur direkten Hilfe an Bedürftige auch Unterstützung bei der energetischen Umstellung in den Tafeln, Wärmestuben und ähnlichen Einrichtungen, auch für Solaranlagen, E-Autos und energieeffizientere Geräte.

Initiativen starten Spendenkampagne

In einem Friseursalon in Bielefeld entstand die Kampagne „ Bielefeld erwärmt sich“: Imke Lohmann und Domenico di Leo hatten den Gedanken, ihre Energiepauschale zu spenden, um andere Menschen, die in diesem Winter ihre Stromrechnung vielleicht nicht bezahlen können, zu unterstützen. Träger ist die gemeinnützige Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut in Bielefeld. Über die Website www.energie-spende.de kann online gespendet werden.

Die Münchner Tafel wird von einer „Initiative Energie Spenden“ unterstützt, die ebenfalls die Spende der Energiepauschale propagiert. Auf der Website energie-spenden.de kann direkt online an die Münchner Tafel gespendet werden. Bisher kamen schon über 23.000 Euro zusammen. Über 50 Prozent mehr als man gedacht hatte. Auch hier beflügelten Lokalradios und die Presse die Aktion.

„Teile Deine Energiepauschale mit Kinder in Not“ heißt es auf der Aktionsseite von terre des hommes. Sie versuchen mit dem Hashtag #300fürKinder gleich viral zu gehen und fordern die Unterstützer auf, eine Challenge zu machen und andere für die Aktion zu nominieren.

300FürKinder

Rentner bekommen Pauschale im Dezember

Rund 20 Millionen Rentner werden nun ebenfalls von der Finanzspritze profitieren. Die Einmalzahlung von 300 Euro erfolgt automatisch durch die Rentenzahlstellen. Auch diese unterliegt der Steuerpflicht. Die Kosten des Bundes für das Paket belaufen sich auf immerhin 6,4 Milliarden Euro. Man darf gespannt sein, ob es weitere Spendenkampagnen mit Bezug auf die Energiepreispauschale im spendenaffinsten Zielgruppensegment gibt oder ob man sich damit begnügt, dass pünktlich zum Jahresende nun doch nochmal zusätzliches Geld zum Spenden da ist.

Bildquellen

  • Plakat das Leben ist eine Geben und Nehmen: PR
  • 300FürKinder: PR
  • Symbolbild Heizkosten: Margit Power/AdobeStock

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