Bürgerstiftungen wachsen beständig

Vor 25 Jahren wurden die ersten deutschen Bürgerstiftungen in Hannover und Gütersloh gegründet. Heute gibt es Mitmach-Stiftungen an 420 Orten. Zusammen haben Sie ein Stiftungskapital von einer halben Milliarde Euro. Doch das ist längst nicht alles, wie der aktuelle „Report Bürgerstiftungen“ der Stiftung Aktive Bürgerschaft beweist.

Die 420 Bürgerstiftungen wachsen weiter – und das trotz der Corona-Pandemie, Krisen und anhaltend niedriger Zinsen. Ihr Stiftungskapital liegt erstmals bei 503 Millionen Euro. Das zeigt der „Report Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2021“, mit dem die „Stiftung Aktive Bürgerschaft“ die Bürgerstiftungs-Finanzkennzahlen der Jahre 2019 und 2020 erhebt. Auch Spendeneinnahmen und Projektfördermittel sind im Vergleich zur letzten Befragung aus dem Jahr 2019 gestiegen. So haben Bürgerstiftungen seit ihren Anfängen in Deutschland vor 25 Jahren insgesamt 173 Millionen Euro Spenden eingeworben und gemeinnützige Projekte mit rund 210 Millionen Euro unterstützt.

Viel ehrenamtliches Engagement

Bundesweit aktiv in ihren Gremien und Projekten sind rund 27.000 Menschen. Mehr als 30.000 Einzelpersonen und Unternehmen haben bereits Geld an Bürgerstiftungen gestiftet. Zustiftungen spielen weiterhin eine größere Rolle als Spenden, die zeitnah und in vollem Umfang in die Projektarbeit fließen. Bei Zustiftungen dagegen bleibt das Vermögen erhalten, gearbeitet wird mit den Erträgen. Die meisten Zustiftungen gingen dabei an diejenigen Bürgerstiftungen, die Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen anbieten. 867 Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen verwalten die Bürgerstiftungen aktuell.

Dass nach wie vor mehr Geld gestiftet als gespendet wird, belegt für Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer und Mitglied des Vorstandes der „Stiftung Aktive Bürgerschaft“, „die anhaltende Attraktivität des Modells und zeigt, wie groß das Vertrauen in die Bürgerstiftungen ist.“

In den Kategorien Kapitalwachstum, Spendeneinnahmen und Projektfördersumme liegen die Bürgerstiftung Hannover, die BürgerStiftung Düsseldorf und die BürgerStiftung Hamburg in diesem Jahr ganz vorn. Während Hannover einen Zugewinn von 5,2 Millionen Euro beim Stiftungskapital verzeichnete, konnte Düsseldorf mit 1,8 Millionen Euro besonders viele Spenden einnehmen. Hamburg vergab mit 3,1 Millionen Euro die meisten Projektfördermittel.

Bürgerstiftung sorgt für Gesundheitsversorgung

Auch im ländlichen Raum mit geringer Einwohnerzahl sind Bürgerstiftungen erfolgreich. Umgerechnet 15 Euro pro Einwohnerin beziehungsweise Einwohner vergab beispielsweise die Bürgerstiftung Nindorf in Dithmarschen an Projektfördermitteln. Damit belegt sie in dieser Kategorie den Spitzenplatz.

Ein schönes Beispiel für erfolgreiche langfristige Wirkung ist die Bürgerstiftung Balve. Immer mehr Kliniken im ländlichen Raum stehen vor dem Aus. So auch in Balve im Sauerland. Ein paar engagierte Bürgerinnen und Bürger wollten sich damit nicht abfinden und gründeten eine Bürgerstiftung. Das Krankenhaus in Balve ist trotz Bürgerprotesten Geschichte. Dafür gibt es heute einen Gesundheistcampus. Eine eigens gegründete gemeinnützige Balver Bürgergesellschaft kaufte das Krankenhausgebäude für einen symbolischen Euro und ließ es 2013 kostenfrei in den Besitz der neu gegründeten BALVER BÜRGERSTIFTUNG übergehen. Die wiederum setzte eine Betreibergesellschaft ein, um die leer stehenden Räume zu vermieten. Ein einstelliger Prozentsatz der Mieteinnahmen fließt jedes Jahr an die Bürgerstiftung zurück. Zwar dürfte die auch Projekte außerhalb des Campus fördern, das meiste Geld wird aber wieder dort investiert. In den renovierungsbedürftigen Fahrstuhl, in eine Wegebeschilderung, in eine Gegensprechanlage. Dennoch sei das Gebäude auch dank der öffentlichen Gelder insgesamt gut in Schuss, sagt Bernd Krämer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft. 

25 Mieter hat das Gebäude mittlerweile, darunter eine Senioren-Tagespflege, eine Demenz-WG, ein Reha-Sport-Verein, der Malteser Hilfsdienst, diverse Fachärzte und Therapeuten. „Wir hätten gerne eine breitere Palette an Ärzten drin“, sagt Schmitz, aber es sei schwierig, die in die ländliche Region zu locken. Mit 80 Beschäftigten gehört der Campus immerhin heute zu den größeren Arbeitgebern in der Stadt. 80 bis 85 Prozent der bewohnbaren Fläche sind laut Krämer vermietet. 

Bildquellen

  • Bürgerstiftung: Monkey-Business/AdobeStock

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