Freiwillig? Aber sicher!

Sich freiwillig zu engagieren ist in Deutschland weit verbreitet. Der aktuelle Deutsche Freiwilligensurvey zeigt das eindrücklich. Bei genauerem Hinsehen ist festzustellen, dass sich das ehrenamtliche Engagement aber deutlich wandelt.

Obwohl die Erhebung 2019 durchgeführt wurde, sind erst jetzt die Ergebnisse des fünften Deutschen Freiwilligensurveys des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht worden. Dabei wurde auch ein gravierender methodischer Fehler behoben. Menschen mit höherer Bildung engagieren sich auch deutlich mehr ehrenamtlich und hatten in den letzten Untersuchungen die Ergebnisse stark nach oben verzerrt, weil Sie überrepräsentiert waren im Bezug zur Gesamtbevölkerung. Alle Ergebnisse wurden deshalb mit einem Bildungsfaktor gewichtet. Erfreulich ist, dass der Anteil freiwillig Engagierter seit 1999 in allen Altersgruppen größer geworden ist.

Freiwilliges Engagement stabil auf hohem Niveau

Im Jahr 2019 übten 39,7 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland eine freiwillige Tätigkeit aus. Im Jahr 1999 waren es nur 30,9 Prozent. Erst im Jahr 2014 wurde ein deutlicher Sprung auf 40 Prozent verzeichnet, der auch 2019 weiter Bestand hatte. Diese Erhöhung scheint in einem Zusammenhang mit der deutlich gestiegenen Engagement-Quote bei Frauen zu liegen. 2019 war sie erstmals fast gleichauf mit der Quote der Männer.

Frauen engagieren sich dabei besonders stark im sozialen Bereich, in Schule und Kindergarten, in der Kirche und im Gesundheitsbereich. Das erklärt auch, warum sich Frauen der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen etwas mehr engagieren als die Männer. Denn dort liegt meist die Schulzeit der Kinder, zu der Frauen überproportional stark engagiert sind. Männer sind stärker im Sport, Freizeit, Politik und in Rettungsdiensten oder Feuerwehr aktiv. In der Kultur und im Umweltschutz sind beide Geschlechter gleich engagiert.

Bezogen auf das Alter gibt es auch einige Unterschiede. So ist das Engagement für Umwelt und Naturschutz nicht etwa bei der Fridays for Future-Bewegung am stärksten, sondern bei Menschen in einem Altern zwischen 50 und 64 Jahren. Junge Menschen engagieren sich vor allem in Sport, Kultur und bei Rettungsdiensten. Der soziale Bereich wird von den 50- bis 65-Jährigen und Rentnern am stärksten getragen.
Bereits Ende letzten Jahres hatte eine Umfrage von vostel.de unter jungen Menschen zwischen 18 und 33 Jahren ergeben, dass diese sich zu 63,4 Prozent engagieren, wenn ein persönlicher Bezug oder eine thematische Relevanz vorhanden ist. „Wir leben im Zeitalter der Information – das ist auch für das Ehrenamt wichtig. Junge Menschen möchten wissen, wofür sie sich engagieren, welche Themen im Fokus stehen und was ihr Engagement bewirken kann. Dies transparent darzustellen, ist die große Herausforderung, um eine junge Zielgruppe anzusprechen“, kommentiert Katarina Peranić, Vorstand der Deutschen Stiftung Engagement und Ehrenamt dieses Ergebnis auf dem Facebook-Kanal der Stiftung.

Auch der Anteil der Ostdeutschen hat sich seit der ersten Erhebung deutlich erhöht. Waren es 1999 nur 24,7 Prozent der Ostdeutschen, die sich engagieren, sind es heute 37 Prozent und damit fast genauso viele wie in Westdeutschland (40,4 Prozent). Etwas stärker engagiert man sich auch auf dem Land (41,6 Prozent) als in der Stadt (38,8 Prozent).

Mehr kürzere Engagements sind gefragt

Die notwendige Zeit spielt für das freiwillige Engagement eine große Rolle. Im Vergleich der Erhebungswellen lässt sich eine Tendenz zu einer weniger zeitintensiven Ausübung der freiwilligen Tätigkeit feststellen. Der Anteil der freiwillig Engagierten, die für diese Tätigkeit bis zu zwei Stunden in der Woche aufbringen, ist von 1999 bis 2019 von 50,8 Prozent auf 60,0 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum ist der Anteil der freiwillig Engagierten, die für ihre freiwillige Tätigkeit sechs und mehr Stunden pro Woche aufbringen, von 23 Prozent auf 17,1 Prozent gesunken. Gesucht werden also eher kurzfristige und nicht so zeitintensive Tätigkeiten. Die meiste Zeit wenden Rentner auf, die auch deutlich häufiger drei Stunden oder mehr pro Woche investieren. Deshalb scheinen sie in manchen Vereinen auch deutlich präsenter zu sein. Frauen engagieren sich anteilig seltener zeitintensiv als Männer.

Vorstand dringend gesucht

Das schwierigste Ergebnis für gemeinnützige Organisationen ist der weitere Rückgang des Anteils der Menschen, die sich in Leitungsfunktionen engagieren. Seit 1999 hat sich dieser Anteil von 36,8 Prozent auf 26,3 Prozent verringert. Das heißt, wir müssen heute vier Engagierte fragen, ob sie ein Amt übernehmen und nicht mehr nur drei. In den Ämtern dominieren auch klar die Männer (30,8 %). Frauen sind nur zu 22,1 Prozent in ehrenamtlichen Leitungspositionen. Vom Alter her dominieren hier Menschen über 50 Jahre. Auch höhere Bildungsgruppen sind stärker in diesen Funktionen. Diese stetig sinkende Quote, sich auch in Verantwortung zu begeben, ist für viele Organisationen bereits jetzt ein Problem. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere Engagierte im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter auch aufgrund ihrer zeitlichen Inanspruchnahme durch Beruf und Familienverpflichtungen anteilig seltener Leitungsfunktionen ausüben können.

Kein digitales Ehrenamt Seit 2004 wird auch nach der Nutzung des Internets für die freiwillige Tätigkeit gefragt. Dabei ist zu beobachten, dass die Nutzungsquoten des Internets allgemein deutlich von der Nutzung für das ehrenamtliche Engagement abweichen. 43 Prozent gaben 2019 an, das Internet nicht für ihre Tätigkeit zu nutzen. Die, welche das Internet nutzen, geben an, dass sie zu 34,3 Prozent soziale Netzwerke und Blogs nutzen. Die zweithäufigste Nutzungsform ist das Erstellen von Newslettern und Onlineberichten (20,3 Prozent), 13,5 Prozent betreuen die Website ihrer Organisation, und 12,5 Prozent nutzen das Internet, um Spenden oder Mitglieder zu werben. Die wenigsten Engagierten, 5,4 Prozent, nutzen das Internet, um Lehre oder Beratung anzubieten. Die anderen 46,1 Prozent nutzen zwar das Internet in ihrer freiwilligen Tätigkeit, verwenden dafür aber keine dieser fünf Nutzungsformen. Möglicherweise nutzen diese Personen in ihrer freiwilligen Tätigkeit das Internet in anderer Weise, zum Beispiel für den Versand von E-Mails oder die Recherche nach Informationen. Ob sich hier eine Veränderung durch den Digitalisierungschub der Corona-Zeit ergibt, bleibt abzuwarten. Die nächste Befragung findet voraussichtlich 2024 statt.

Bildquellen

  • Unterschied nach Ost-West: FWS 2019
  • Unterschied nach Alter: FWS 2019
  • Unterschied Frauen und Männer: FWS 2019
  • Stundenumfang des Freiwilligen Engagements: FWS 2019
  • Freiwilliges Engagement im Zeitvergleich: FWS 2019
  • Form der Internetnutzung für das Ehrenamt: FWS 2019
  • Bereitschaft-Leitungsfunktionen übernehmen: FWS 2019
  • DRK-Mitarbeiter im Einsatz: pixabay
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