Suchmaschinenoptimales Gendern

Gendern ist für viele Organisationen noch nicht im Alltag angekommen. Das hat viele Gründe. Einer könnte sein, dass die Suchmaschinenoptimierung für gegenderte Beiträge eher suboptimal ist. Wie das besser geht, zeigt Christoph Pawletko von der SEO-Küche in seinem Gastbeitrag.

Genderneutrale Sprache gewinnt zunehmend an Bedeutung. Unterschiedlichste Branchen sind bereits dazu übergegangen, die Inhalte ihres Internetauftritts gendersensibel zu formulieren. Das Fundraising-Magazin hat in seiner aktuellen Ausgabe das Thema Gendern im Fundraising aufgegriffen und festgestellt, dass Non-Profit-Organisationen dies noch nicht so konsequent umsetzen. Die Gründe sind vielschichtig. Einer könnte auch sein, das gendersensible Formulierungen und Suchmaschinenoptimierung bei Google auf den ersten Blick nur schwer vereinbar sind und zu einem schlechteren Ranking der Website führen.

Genderneutralität wird bestraft

Ärzte, Berater, Professoren – das generische Maskulinum bezieht theoretisch alle Geschlechter mit ein. Studien haben jedoch gezeigt, dass sich die meisten Menschen unter diesen Begriffen ausschließlich männliche Personen vorstellen. Nicht nur in der gesprochenen Sprache, auch in Online-Inhalten dominiert das generische Maskulinum. Google und Co. neigen dazu, Seiten mit genderneutral formuliertem Content weiter unten in den Suchergebnissen zu platzieren beziehungsweise irreführende Suchergebnisse anzuzeigen.

Trotzdem gibt es genügend Gründe, die Inhalte des eigenen Internetauftritts genderneutral zu formulieren. Im Zuge des Bestrebens nach Gleichberechtigung passt sich auch die Sprache an und wird in einer gendergerechten Sprache ausgedrückt. Je nach Branche erzielt man durch genderneutrale Sprache natürlich auch eine positivere Außenwirkung bei (potenziellen) Kunden und Kundinnen. Es ist eine Abwägung zwischen gendergerechten Inhalten und gutem Ranking – eine Herausforderung, die nicht nur machbar ist, sondern sogar lohnenswert sein kann.

Google versteht gendern falsch

Die gängigen Varianten der gendergerechten Formulierung, die sowohl Männer als auch Frauen mit einbeziehen, sind aktuell das Gendersternchen (SEO-Berater*in), der Doppelpunkt (SEO-Berater:in) und das Binnen-I (SEO-BeraterIn). Gibt man den Begriff „SEO-Berater*in” in das Suchfeld ein, wird das Gendersternchen von Google aktuell noch komplett ignoriert, und es werden nur Suchergebnisse ausgespielt, die den maskulinen Begriff „SEO-Berater” enthalten. Ähnlich verhält es sich mit dem Doppelpunkt. Die Suchergebnisse für „SEO-BeraterIn” fallen hingegen genau umgekehrt aus. Denn da Groß- und Kleinschreibung bei der Google-Suche irrelevant sind, interpretiert die Suchmaschine das Binnen-I schlicht als „normales” I und liefert überwiegend Ergebnisse, die sich auf die weibliche Form beziehen. Hier gibt es aber deutlich weniger passende Ergebnisse, was für die Seite weniger Traffic bedeuten könnte.

So funktioniert SEO trotzdem

Das alles ändert noch nichts an dem vermeintlichen Problem, dass Google allen nicht-männlichen Formen eines Nomens bisher wenig Beachtung schenkt. Zusätzlich zu Gendersternchen, Doppelpunkt und Binnen-I gibt es weitere gendersensible, SEO-konforme Formulierungsmöglichkeiten. Die Paarform, in der beide Varianten ausgeschrieben werden, funktioniert für Google sehr gut. Zwar kann sich hier die eine oder andere Wortwiederholung ergeben, dafür wird man vom Algorithmus mit dem geballten Suchvolumen des männlichen und des weiblichen Begriffs belohnt. Eine weitere Möglichkeit ist es, möglichst geschlechtsneutrale Formulierungen zu nutzen. Zum Beispiel, dass die Leistung und nicht das Geschlecht der Person betont werden. So bezieht man übrigens auch nicht-binäre Personen mit ein. Alternativ können auch Relativsätze verwendet werden: „Alle, die bezüglich der Suchmaschinenoptimierung beratend tätig sind” anstatt „SEO-Berater” und „SEO-Beraterin”. Etwas tricksen lässt sich auch, indem man männliche Varianten einfach „versteckt”, beispielsweise in den Bild-Dateinamen, in der URL-Bezeichnung, in den Alt-Attributen oder in den Metaangaben.

Wird die Sprache verändert, werden auch die Suchmaschinen gendersensibles SEO erlernen. Bis dahin bleibt es spannend zu beobachten, wie Google mit dem Thema Gendern umgeht. Der Google-Algorithmus wird bekanntlich immer weiterentwickelt.

Christoph Pawletko ist Geschäftsführer der SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG, einer Online-Marketing-Agentur mit insgesamt acht Standorten in Deutschland. Zum Team gehören mittlerweile über 100 Expertinnen und Experten mit Fachwissen in den Bereichen SEO, Google Ads und Microsoft Advertising, Content-, Affiliate-, E-Mail- und Social-Media-Marketing. Mehr Informationen unter: www.seo-kueche.de.

Bildquellen

  • SEO Spielsteine: unsplash

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