Pfand spenden

Seit 2007 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, Flaschenpfand zu spenden, damals eine Idee der Sozialhelden aus Berlin. Mittlerweile gibt es einige Möglichkeiten für Vereine, eigene Pfand-Spendenaktionen durchzuführen. Doch auch da gilt es Einiges zu beachten.

„Pfandtastisch helfen“ war eine der ersten Ideen von Raul Krauthausen und seinem Cousin Jan Mörsch. Ihre Idee, Pfandautomaten mit einer Spendentaste zu versehen, ließ sich damals nicht so ohne Weiteres verwirklichen. Deshalb setzten sie auf eine einfach Pfandbox, die neben dem Automaten dazu aufforderte, „Pfandtastisch“ zu helfen und einfach den gedruckten Bon des Automaten einzuwerfen. Inzwischen haben große Handelsketten wie Lidl die Idee „kopiert“ und setzen sie flächendeckend für die Tafeln in Deutschland ein. Schon 24 Millionen Euro kamen so zusammen.

Filialleitungen entscheiden

Auch Kaufland hat die Idee seit zwei Jahren im Programm. An 670 deutschen Standorten sind Boxen angebracht, die Pfandbons sammeln. „Mit den regionalen Pfandspendenboxen werden unsere Kunden direkt in unser gesellschaftliches Engagement eingebunden. Uns ist dabei besonders wichtig, dass ein direkter Bezug zur Region besteht und die Spenden Organisationen zugutekommen, die in der Nähe unserer Standorte aktiv sind“, sagt Lavinia Kochanski, Leitung CSR bei Kaufland International.

Pfandspendenbox
Mehr als eine Million Euro haben Kaufland-Kunden über die Pfandbonspenden-Aktion des Einzelhändlers an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Der größte Anteil des Geldes geht an Organisationen mit der Zielgruppe Kinder/Jugendliche beziehungsweise Familien. Knapp ein Viertel der Märkte wendet die Spenden an den Tierschutz, weitere 20 Prozent gehen in die Pflege kranker Menschen, 10 Prozent richten sich an die örtlichen Tafeln. Der Rest wird an Organisationen, die sich um behinderte Menschen kümmern, sowie an allgemeine Hilfsorganisationen gespendet. Auf Anfrage bestätigte eine Kaufland-Presseprecherin, dass die Auswahl, welche Organisationen begünstigt werden, tatsächlich die Filialleitungen vor Ort treffen.

Stattliche Summen

Was eine solche Pfandspendenbox leisten kann, zeigt das Beispiel des Volksvereins Mönchengladbach. Der ist beispielsweise Begünstigter im EDEKA Endt. Direkt über ein Display kann dort ausgewählt werden, ob man an den Volksverein spenden möchte oder lieber das Geld ausgezahlt haben will. Hier wurden im ersten Jahr 990,82 Euro und im zweiten Jahr 1.432,41 Euro an den Volksverein gespendet. In einer anderen Filiale konnten in drei Jahren schon 4.251,28 Euro gesammelt werden. Auch Adina Hermann, Projektleiterin von „Pfandtastisch helfen“ bestätigt, dass die Pfandboxen ein sehr gutes Tool seien, um regelmäßige Spenden zu generieren. „Viele unserer Partnerorganisationen generieren durch sie viel Geld für ihre gemeinnützigen Zwecke.“

Für Jonas Deister, Geschäftsführer der Sozialhelden, ist der Markt mittlerweile aber schon recht ausgereizt. Viele Händler wären aus seiner Sicht mittlerweile schon mit Boxen von „Pfandtastisch helfen“ oder eigenen Boxen ausgerüstet oder hätten digitale Spendenmöglichkeiten geschaffen. Deshalb läuft das Projekt „Pfandtastisch helfen“ aktuell eher auf Sparflamme. Ein Blick auf die Verteilung der Märkte zeigt aber noch große Lücken.

Eigene Spendenaktionen

Das muss aber Vereine nicht davon abhalten, eigene Pfandspendenaktionen zu machen. Wer Marktleiter kennt, kann ihnen die Vorzüge eines solchen Pfandspenden-Systems schnell glaubhaft vermitteln. Kundentreue gehört zum Beispiel dazu. Adina Hermann empfiehlt auch, die Werbung in der Nähe des Pfandautomaten frisch zu halten. „Durch unser Beschilderungsmodul an der Pfandbox lassen sich die Spendenziele und -erfolge direkt und glaubwürdig kommunizieren. Daher raten wir dazu, regelmäßig die Schilder zu erneuern und so die Kundinnen und Kunden auf dem Laufenden zu halten. Außerdem empfiehlt sie zur Installation neuer Boxen oder zu runden, größeren Gesamt-Spendensummen die Lokalpresse einladen. Und dann wiederum auf die Boxen  zu verweisen, die dies möglich gemacht haben.

Erfolgreich für Pfand-Aktionen sind auch Anlässe wie Konzerte und Großevents. Aber auch eigene Events oder eine Aktion mit einem regionalen Supermarkt beispielsweise an einem passenden Tag für das Anliegen des Vereins können dazu beitragen. Wichtig ist es dabei, dies vorab breit anzukündigen und auch vor Ort aktiv um den Pfand zu bitten. Beim Trend zu mehr Nachhaltigkeit und weniger Plastik ist aber fraglich, wie lange das noch geht. Wiederverwendbare Pfandbecher oder Tassen auf dem Weihnachtsmarkt funktionieren natürlich auch.

Partner für Vereine

Clarissa Hartmann und Anna Erb haben die Pfand-Idee gleich weiterentwickelt und holen in München die Flaschen direkt samstags bei den Kunden vor der Haustür ab. Ihr „Flaschenkollektiv“ hat schon die ersten 300 Euro an gemeinnützige Vereine spenden können. Andere Initiativen wie „Pfandtastsich helfen“, „Spende Deinen Pfand“ oder das Pfandnetzwerk bieten Vereinen die Möglichkeit Pfandsammelsysteme aufzustellen und davon zu profitieren.

Steuerlich ist die Pfandspende übrigens recht unbedenklich. Einen aussagekräftigen Artikel dazu gibt es auf Haufe.de

Bildquellen

  • Pfandspendenbox: über eine Million Euro für regionale Projekte: Kaufland
  • Pfandbox: privat

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