Stolperfalle Fördermittel

Fördermittel sind zwar nach der reinen Lehre eigentlich kein Fundraising, sind aber bei vielen Organisationen elementarer Bestandteil von Finanzierungen. Doch wenn auch Spenden für das Projekt gesammelt werden, kann es schnell zu Problemen kommen.

Fördermittel sind toll. Im aktuellen LEADER-Programm der EU können bis zu 80 Prozent von Vorhaben in ländlichen Räumen durch EU und Landesmittel finanziert werden. Bleibt also nur noch ein Anteil von 20 Prozent für die Organisation. So können auch Projekte, die eigentlich die Finanzkraft des Vereins überfordern, gestemmt werden. Andere Programme, wie die Aktion Mensch, haben sogar 90 Prozent Förderanteile. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail.

Erfolg im Fundraising schlecht für Fördermittel

So steht in einigen Förderprogrammen, dass, wenn der Antragsteller durch Dritte Geld für das Projekt erhält und so das Projekt mehr als 100 Prozent der erforderlichen Summe erhält, das Fördergeld gekürzt werden kann. Sehr oft findet man diese Regelung beispielsweise in Richtlinien zum Denkmalschutz. Und die Behörden sind angehalten diesen Passus zu beachten, um den Staat finanziell zu entlasten, also keine Überförderung zuzulassen. Aus Sicht des Steuerzahlers begrüßenswert, aber für das Fundraising bitter. So werden die aktiven Vereine bestraft und auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt geschwächt.

In kommunalen Richtlinien, wie die der Stadt Bochum, heißt es beispielsweise: „Zuwendungen werden grundsätzlich nachrangig und nur dann bewilligt, wenn der Zuwendungszweck nicht anderweitig, z.B. durch eigene Mittel, Spenden oder Zuwendungen anderer juristischer Personen des öffentlichen Rechts finanziert werden kann.“ Das heißt: Bist Du erfolgreich im Fundraising, verlierst du das Recht auf öffentliche Förderung.

Schwammige Regelungen

Dass Projekte meist schon knapp kalkuliert sind, weil ja Mittel eher fehlen als zu viel sind, spielt da kaum eine Rolle. Eigentlich ist es ja schön, dann mehr Spenden zu haben, denn man könnte so noch mehr im Projekt verwirklichen. Statt in Steine eines Bauprojekts könnte man beispielsweise in die Ausstattung des Gebäudes investieren, ohne den Spenderwillen zu missachten. Aber die Ämter differenzieren das nicht und rechnen die Spenden stumpf gegen. Dabei ist allerdings in vielen Förderrichtlinien nicht immer von Spenden die Rede sondern von Drittmitteln, Fördermitteln und Eigenmitteln. Diese Schwammigkeit hat schon so manches Projekt vor den Richtertisch gebracht.

Projektabschnitte definieren

Was aber nun tun, wenn eine Spendenkampagne mehr als den geforderten Eigenanteil erbringt? Ehrlich gesagt ist es dann zu spät. Man könnte Spenden, die keinen konkreten Zuwendungszweck haben, heraus rechnen, aber das muss das Amt nicht akzeptieren. Deshalb ist es besser, von Anfang an zu klären, für welche Teilprojekte Spenden gedacht sind. Bei Bauprojekten gibt es beispielsweise die Möglichkeit Bauabschnitte zu definieren, und diesen konkrete Spendenziele zuzuweisen. Ist das Ziel erreicht, greift dann die Spendenzurechnung für den nächsten Bauabschnitt. So ist es auch für das Amt von Anfang an transparent. Es ist auch gut, das öffentlich zu kommunizieren, beispielsweise auf einer Website, damit einem das Amt nicht Verschleierungstaktik vorwerfen kann. Denkbar wäre auch von vornherein zu sagen, dass man Geld für die Ausstattung sammelt und nicht für das Bauprojekt. Das hängt natürlich auch vom Projekt ab. Ob das dann doch noch vor dem Kadi landet, ist aber auch nicht ausgeschlossen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, das Geld für die Eigenmittel zunächst vorfinanzieren zu lassen. Zum Beispiel durch Kredite oder private Darlehen. Diese können dann im Nachlauf durch Spenden refinanziert werden. Aber auch da ist nicht ausgeschlossen, dass Fördermittelgeber nicht intervenieren. Spenden und Fördermittel passen eben oft nicht zu 100 Prozent zusammen.

Bildquellen

  • Gegensätze: Gerd Altmann/pixabay

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