Spendenbereitschaft bleibt hoch

Die Deutschen haben 2020 rund 5,4 Milliarden Euro gespendet. Das Spendenniveau stieg damit um deutliche 5,1 Prozent. Das zeigt die GfK-Studie „Bilanz des Helfens“, die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt wird. Tolle Zahlen, doch die Lage ist ernst.

Die Deutschen haben Im Kalenderjahr rund 5,4 Milliarden Euro gespendet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Spendenniveau um deutliche 5,1 Prozent. Das sind Ergebnisse der GfK-Studie „Bilanz des Helfens“, die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt wird. Die Studie zeigt aber auch die Probleme für auf Spenden angewiesene Organisationen.

Mehr Spenden im Jahr 2020

Im Monatsverlauf zeigt sich ein fast durchgängiges Wachstum der Spendenbereitschaft gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten. Auffällig ist, dass sich mit dem Lockdown auch die Spendenbereitschaft deutlich steigert. So sind die stärksten Steigerungsraten, teilweise im deutlich zweistelligen Bereich, mit dem ersten Lockdown im Frühling (März +13 %) und im zweiten harten Lockdown im Spätherbst/Winter (November +7 %) zu verzeichnen. Auch der traditionell spendenreichste Monat Dezember ist im Jahr 2020 von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Gegenüber dem Vorjahr wuchsen die Spendeneinnahmen im Dezember 2020 um ganze 18 Prozent. Damit entfallen auf den Monat Dezember 20 Prozent aller Spenden, die von Privatspendern ab zehn Jahren in Deutschland bis zu einer Höhe von 2.500 Euro gespendet wurden

Mediales Interesse stärkt Spendenbereitschaft

Dr. Max Mälzer Geschäftsführer des Spendenrates ergänzt: „Wir verzeichnen in all unseren Mitgliedsorganisationen auch einen enormen Zuwachs an Sachspenden.“ Das wird von Aaron Schuster von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. bestätigt: „Wir bekamen im März des Vorjahres eine Menge Schutzausrüstung und Masken gerade für unsere Altenheime und medizinischen Einrichtungen gespendet.“ Als Begründung für das erhöhte Spendenaufkommen führt Schuster an, „dass viele stigmatisierte Gruppen in Deutschland, wie Senioren und auch Kinder und Jugendliche aus schwierigem sozialem Umfeld plötzlich medial stark in den Vordergrund gerückt sind. Das hat die Spendenbereitschaft positiv beeinflusst.“ Als Beleg sieht er die Spendenkampagne der Zentralwohlfahrtsstelle für Kommunikationsmittel in der vollstationären Altenhilfe, die im Jahr 2020 die erfolgreichste war.

Wieder weniger Spenderinnen und Spender

Aber nicht alles ist super im Corona-Jahr. Die Anzahl der Spendenrinnen und Spender hat nochmals um eine halbe Million abgenommen. Das ist mittlerweile alarmierend. Besonders, weil die stärksten Rückgänge in der Gruppe der über 70-Jährigen mit 209.000 Menschen zu verzeichnen sind. Das ist auch die Gruppe, die zu 43 Prozent das deutsche Spendenaufkommen trägt. Mälzer warnt deshalb: „Die Altersgruppe 70+ setzt sich damit erneut und immer weiter von den anderen ab. Im Anbetracht des Rückgangs der Spender in dieser Altersgruppe scheint sich die offensichtliche demografische Entwicklung langsam zu realisieren. Hier liegt eine massive Gefahr für den Gesamtspendenmarkt.“

Im Klartext bedeutet das, dass das Ergebnis deutlich schlechter aussähe, wenn die verbleibenden Spenderinnen und Spender nicht so viel gegeben hätten. Dass in diesem von so vielen Unsicherheiten geprägten Jahr wieder mehr gespendet wurde, nämlich 40 Euro im Schnitt pro Spendenakt, ist schon erstaunlich. Max Mälzer wies in der Pressekonferenz darauf hin, „dass die Kurzarbeiterregelung nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hilft, ein stabiles Einkommen zu haben“. Dadurch und auch, weil es kaum Gelegenheit gab, Geld für Urlaub, Freizeit und Konsum auszugeben, wäre die Spendenbereitschaft im vergangenen Jahr positiv beeinflusst worden. Im Schnitt wird siebenmal im Jahr gespendet.

Not- und Katastrophenhilfe gewinnt am stärksten

Hauptanteil der Spenden stellt mit 75,6 Prozent weiterhin die humanitäre Hilfe dar, welche gegenüber dem Vorjahr (75,3 %) leicht zulegt. Stärkster Gewinner ist dabei die Not- und Katastrophenhilfe, welche prozentual ihren Anteil am Gesamtspendenvolumen von knapp 15 Prozent auf knapp 18 Prozent steigert, was in absoluten Zahlen einer Steigerung um 149 Millionen Euro entspricht. Aber auch für andere humanitäre Zwecke wurde mehr als im Vorjahreszeitraum gespendet. Mehr gespendet wurde absolut gesehen auch für die Themen Kinder- und Jugendhilfe, Bildung und langfristige Entwicklungshilfen.

Kirche und Sport sind die Verlierer

Außerhalb der humanitären Hilfe verbuchten die Bereiche Tierschutz (plus 88 Mio. Euro) und Kultur- und Denkmalpflege (plus 22 Mio. Euro) einen deutlichen Zuwachs in absoluten Zahlen. Verlierer ist der Sport mit einem Minus von 76 Millionen Euro Spenden. Hier schlagen wohl die vielen ausgefallenen Veranstaltungen ins Kontor. Auch die Einnahmen für das Spendenziel Kirche und Religion sind um 94 Millionen Euro gesunken. Überhaupt können die konfessionell geprägten Organisationen, zu denen beispielsweise auch Caritas und Diakonie gehören, nicht vom Spendenboom dieses Jahres profitieren. Sie bleiben eher auf Vorjahresniveau. Ihr Anteil an den Gesamtspendeneinnahmen sinkt deshalb von 30,1 Prozent auf 27,5 Prozent.

Unterschiede beim Spendenanlass

Der Blick auf die Spendenanlässe verrät scheinbar nichts Neues. Studienleiterin Bianca Corcoran-Schliemann interpretiert die Daten so: „Als Hauptspendenanstoß wird bei vielen Spenden immer noch der persönlich adressierte Brief genannt. Wenn man das Spendenvolumen dahinter betrachtet, so kommt das GfK Charity Panel im Jahr 2020 auf 21 Prozent. Es sind eher die Spender aus der Wiederaufbau-Generation, das heißt gut situierte Rentner, aus Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten, die auf Spendenbriefe reagieren. Grundsätzlich gibt es aber einen großen Teil, der keinen Anstoß benötigt und regelmäßig spendet, weil ihnen die Projekte am Herzen liegen.“

Für Corcoran-Schliemann spielen im Dezember auch die Medien eine entscheidende Rolle für die positive Entwicklung der Spendeneinnahmen. Bei den jüngeren Altersgruppen werden eher Freunde, soziale Medien, aber auch die klassischen Medien genannt.

Bildquellen

  • 1-Gesamtmarkt 2005-2020: GfK
  • 2-Spendenzahlen-Durchschnitt: GfK
  • 3-Anzahl der Spender: GfK
  • 4-Spendenvolumen: GfK
  • 5-Spendenzwecke Kopie: GfK
  • 6-Spendenanlässe: GfK
  • Kassensturz: pxhere.com

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