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Zehn Jahre Giving Pledge

Das Geld wächst schneller als es die vermögenden Spenden können.
Das Geld wächst schneller als es die vermögenden Spenden können.

Die Großspender-Initiative Giving Pledge wurde im August zehn Jahre alt und ist bedeutend gewachsen. Aber sie könnte weitaus größer sein, hat Schwierigkeiten ihr Geld auszugeben und ist immer noch stark von Amerikanern geprägt. Eine Bestandsaufnahme.

Von Matthias Daberstiel

Als Bill und Melinda Gates und Warren Buffet 2010 die Initiative Giving Pledge gründeten und sich verpflichteten, 50 Prozent ihres Vermögens bis zu ihrem Tod für gemeinnützige Zwecke einzusetzen, sollte das ein Signal an andere Reiche und Superreiche sein, es ihnen gleich zu tun. Nach zehn Jahren kann festgehalten werden, dass dies wirklich der Fall ist. Über 200 Superreiche aus 23 Nationen haben sich der Initiative angeschlossen. Darunter klingende Namen wie der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg oder Brian Acton, der WhatsApp mitbegründete.


Der reichste Mann der Welt fehlt

Einer, der bisher fehlt, ist der reichste Mensch der Welt – Jeff Bezos, Gründer und Besitzer von Amazon. Der fühlte sich erst herausgefordert, als seine geschiedene Frau MacKenzie Bezos ankündigte, Giving Pledge beizutreten, und kündigte an, ebenfalls mehr zu spenden, aber nicht beizutreten. Die Kritik macht sich bei ihm besonders immer wieder daran fest, dass er und sein Unternehmen mehr tun könnten. Sei es beim Zahlen von Steuern, bei amazon smile mit dem Spendenanteil von 0,5 Prozent oder bei der Verpackungsvermeidung. Da hilft auch kein 10 Milliarden Klimafond „Bezos Earth Fund“, den er 2020 auflegte. Es wird ihm einfach nicht abgenommen, dass er sich wirklich uneigennützig engagiert. Diesem Verdacht sehen sich die Giving Pledge Mitglieder weniger ausgesetzt.
Doch könnten es viel mehr Mitglieder bei Giving Pledge sein. Zur Zeit der Gründung gab es 403 US-Milliardäre. Jetzt, zehn Jahre später, haben die USA mindestens 614 Milliardäre. Die Initiative könnte also noch schneller wachsen. Auch in Europa scheitert die Initiative, neue Mitglieder zu gewinnen. Das liegt aber weniger an einem Mangel an Milliardären, sondern mehr an der anderen Spendenphilosophie. Hier gibt man lieber im Stillen. So sind aus Deutschland immer noch nur Hasso Plattner, der SAP-Gründer, und der Immobilien- und Kaufhauskonzernbesitzer Nicolas Berggrün dabei. Sonst hat sich hier wenig getan. Anders in Asien. Neben den Nord- und Südamerikanern stellen die Asiaten mittlerweile die größte Gruppe bei „The Giving Pledge“.


Zuviel Geld zum Ausgeben

Aber noch ein anderes Problem hat das Spendenversprechen: Es ist nicht einfach einzuhalten. Das immense Geldvermögen wächst nämlich schneller, als man es ausgeben kann. Noch 1982 wurde das Gesamtvermögen der Superreichen vom Forbes-Magazin auf 88 Milliarden Dollar geschätzt. Heute sind es 2,2 Billionen. Aus einer Studie des Institute for Policy Studies geht hervor, dass 62 Mitglieder, die 2010 bereits über ein Gesamtvermögen von 376 Milliarden US-Dollar verfügten, heute auf 734 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. „Während ein Teil der Mitglieder tatsächlich ihr Versprechen halten will, ist es vielen nicht möglich, weil ihr Vermögen einfach zu schnell gewachsen ist“, kommentieren die Autoren der Studie.


Machtfaktor Familienstiftung

Ein Beispiel ist der Microsoft-Gründer Paul Allen, der, als er 2010 bei The Giving Pledge unterschrieb, 13,5 Milliarden Dollar schwer war. Als er 2018 starb, waren es 20 Milliarden Dollar. Da kann auch die Twitter-Ankündigung von MacKenzie Bezos: „Zu spenden, bis der Safe leer ist!“ schwer eingehalten werden. Sie besitzt Amazon-Aktien im Wert von 36 Milliarden Dollar. Deshalb wird das Geld wohl eher in private Familienstiftungen fließen, um den Giving Pledge einzuhalten. Kritiker sehen darin einen neuen Machtfaktor, denn die Mäzene spenden nicht nur für gemeinnützige Zwecke, sondern unterstützen auch jetzt schon politische Vereinigungen und Initiativen. Außerdem würde das Parken des Geldes in Stiftungen den Geldfluss an gemeinnützige Zwecke verlangsamen, wie Chuck Collins und Helen Flannery im Non-Profit-Quarterly kritisieren.


Philanthrop mit deutschen Wurzeln

Einer der wenigen, der nach zehn Jahren sagen kann, dass er sein Vermögen bereits um 50 Prozent reduziert hat, ist der Unternehmer George Bruce Kaiser, der zu den 50 aktivsten Philanthropen Amerikas gehört. Sein Vermögen sank von zehn auf 4,8 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Für den Sohn deutscher Auswanderer, die vor den Nazis fliehen mussten, gehört die Bekämpfung der Kinderarmut durch die George Kaiser Family Foundation zu den wichtigsten Anliegen. Er ist auch ein Wohltäter der jüdischen Gemeinde in Oklahoma. Kaisers Familienstiftung leistet auch den größten Beitrag zur Tulsa Community Foundation, die Kaiser 1998 in seiner Geburtsstadt Tulsa gründete und die bis 2006 zur größten Gemeinschaftsstiftung in den Vereinigten Staaten herangewachsen war. Sie verfügte damals über ein Vermögen von rund vier Milliarden Dollar.

(Bild: pxhere.com)

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