AKADEMISCHES

Muslime spenden mehr

Selbsthilfeprojekte für Frauen, finanziert durch die Zakāt-Abgaben an „Islamic Relief Deutschland“
Selbsthilfeprojekte für Frauen, finanziert durch die Zakāt-Abgaben an „Islamic
Relief Deutschland“

Dass Christen gute Spenderinnen und Spender sind ist allgemein bekannt. Eine aktuelle Studie macht nun deutlich, dass Muslime spendenbereiter sind als die nichtmuslimische Mehrheitsgesellschaft. Dabei gibt es aber auch einige Besonderheiten zu beachten.
In einer Online-Befragung untersuchte die Nichtregierungsorganisation „Islamic Relief“ die Spendenbereitschaft von muslimischen Spenderinnen und Spendern im Vergleich. Das Ergebnis wurde vom Maecenata-Institut unter dem Titel „Spenden zwischen Gutes tun und Pflicht“.

Hohe Spendenbereitschaft

Die Ergebnisse der Online-Befragung von Spendern der Nichtregierungsorganisation „Islamic Relief“ zeigen, dass die muslimischen Spenderinnen und Spender im Vergleich mehr als der Durchschnitt der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft spenden. Die befragten Muslime gaben an, durchschnittlich 452 Euro im Jahr zu spenden.
Damit bestätigten sich Befunde einer britischen Studie, die ebenfalls feststellte, dass Muslime ähnlich hohe und teilweise überdurchschnittlich hohe Beträge spenden als der Gesamtdurchschnitt der Briten. Von den demographischen Merkmalen her bestehen aber kaum Unterschiede zu anderen Spendergruppen in Deutschland. Die älteren Teilnehmenden spenden häufiger höhere Beträge als die Jüngeren. Die Spenderinnen und Spender mit höherem Einkommen spenden höhere Beträge als die Personen mit niedrigem Einkommen, wobei viele der Personen trotz geringerem Einkommen häufiger mittlere Beträge (101 bis 500 Euro) spenden als Kleinbeträge.


Frauen spenden mehr und häufig

Auffällig ist, dass Frauen deutlich höhere Beträge und auch häufiger spenden als Männer. Danach geben Muslima 526 Euro im Jahr. Ein Muslim aber nur 425 Euro im Jahr für gemeinnützige Zwecke aus. Die Spendenzwecke ähneln auch den in deutschen Studien festgestellten Spendenzielen. In der Umfrage zeigt sich, dass in den Bereichen der Armenfürsorge sowie der humanitären Hilfe – dabei vor allem der Not- und Katastrophenhilfe – am meisten gespendet wird. Unterschiede werden hinsichtlich der Geflüchtetenhilfe sichtbar. Während nur drei Prozent aller in Deutschland Lebenden für diesen Themenbereich spenden, sind es unter den Muslimen zwölf Prozent. Hier liegt es nahe, dass eigene Fluchterfahrungen und Solidarität mit den häufig aus muslimisch geprägten Ländern stammenden Geflüchteten ein Motiv sind. Insgesamt kommen die Spenden hauptsächlich sozial schwachen Menschen, Kindern und Jugendlichen sowie kranken Menschen und Menschen mit Behinderung zugute.

Religiosität ist wichtiges Spendenmotiv

Mitgefühl ist Hauptgrund für Spenden von Muslimen.
Mitgefühl ist Hauptgrund für Spenden von Muslimen.

Der im Durchschnitt höhere Spendenbeitrag ist bei den befragten Muslimen insbesondere in ihrer Religiosität begründet. Muslime, die den Islam strenger praktizieren, spenden häufiger und mehr als Muslime, die sich ihrer Religion nicht so stark verbunden fühlen. Als wichtigstes Motiv des Spendens wird dementsprechend auch der religiöse Beweggrund (70 Prozent) angegeben. Als Hauptgrund dominiert das Mitgefühl mit anderen Menschen. (Bild 2) Die religiöse Sozialabgabe Zakāt, die 2,5 Prozent des jährlichen Kapitalvermögens eines Gläubigen ausmacht, wird dabei von 90 Prozent der Befragten als religiöse Pflicht wahrgenommen. Lediglich acht Prozent empfinden Zakāt als freiwillige Spende. 40 Prozent gaben an, am häufigsten im Rahmen der Sadaqa, also der freiwilligen Gabe zu spenden.
Den Anstoß zu einer Spende geben deshalb oft die Imame in der Moschee. Vor allem Frauen vertrauen deren Urteil. Die Studie ergab auch, das neben klassischen Formen – vor Ort und über Freunde und Bekannte –, auch Formen des Online-Fundraisings mittlerweile erfolgreich sind. Für Spenderinnen und Spender, die nach Informationen suchen, sind die Homepages der Organisationen bzw. die der Spendenplattformen die primären Quellen. Vor allem Männer werden jedoch auch erfolgreich über die sozialen Medien angesprochen, was eine zielgruppenorientierte Ansprache in unterschiedlichen Kanälen plausibel macht. (Bild 3)

Soziale Medien sind für Muslime der Spendenanstoß.
Soziale Medien sind für Muslime der Spendenanstoß.

Für diese Spendergruppe typisch ist das direkte Spenden an Familienmitglieder. Trotzdem werden 90 Prozent der Spenden über Organisationen als Mittler geleistet. Das liegt sicher auch daran, dass hier Spenderinnen und Spender von „Islamic Relief“ befragt wurden. Dennoch gaben die Hälfte der Befragten an, auch direkt an bedürftige Personen zu spenden. Für ein konkretes Projekt spenden 41 Prozent und direkt an Familienmitglieder 21 Prozent. Männer spenden mit 52 Prozent dabei häufiger direkt an bedürftige Personen als Frauen (45 Prozent).
Die Mehrheit (71 Prozent) der Befragten gab an, dass sie überwiegend einmalig, etwa zu einem Fest spenden. Ereignisspenden, wie nach einer Katastrophe, tätigen 56 Prozent und regelmäßig, zum Beispiel mit einem Dauerauftrag, spenden 49 Prozent der Befragten. Auffällig ist hierbei, dass Frauen eher dazu neigen, regelmäßig zu spenden, während Männer häufiger Ereignisspenden tätigen.

(Bild 1: Islamic Relief Deutschland e.V.; Bild 2 und Bild 3: Maecenata-Institut, Muslimische Spenden, 2020 (n=1.000))

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